Abschied vom Verstorbenen nehmen kann heilsam sein

Verstorbene sehen nicht schlimm aus; sie tun niemandem etwas. Es gibt schöne Wege, um das letzte Wiedersehen angstfreier zu gestalten.

Angesicht zu Angesicht. Noch ein letztes Mal zusammen sein.

Was ist eine Abschiednahme?

Die Abschiednahme bietet die letzte Gelegenheit, unseren Verstorbenen „von Angesicht zu Angesicht“ gegenüberzutreten. Sie macht die Transformation begreifbar: Der Mensch, der da liegt, ist immer noch der Mensch, den wir kennen – gleichzeitig aber auch schon etwas anderes. Wir ermutigen Euch, Eure Verstorbenen noch einmal zu sehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass das heilsam ist, Trost spendet und uns die Möglichkeit gibt, uns mit Respekt und in Ruhe zu verabschieden. Wir können unseren Verstorbenen buchstäblich noch etwas mitgeben auf ihre letzte Reise. Wir können ihnen ins Gesicht sehen und mit ihnen sprechen, solange sie noch da sind, auch wenn, und gerade weil, es jetzt anders ist.

 

Draufsicht auf die gefalteten Hände einer Verstorbenen im Sarg. Die Hände liegen auf einem Brief, um sie herum viele bunte Blumen.
Der schönen Abschied

Unser Abschiedsraum gleicht eine ruhige und ungestörte Insel, mitten in Berlin. Hier könnt Ihr mit Euren Verstorbenen verweilen und die Zeit selbst bestimmen.

Gemeinsam sein, Liebe und Zuwendung schenken 

Die Verstorbenen nicht alleine lassen

Abschiednahme von den Verstorbenen .Innenansicht einer Kapelle, ein offener, mit Hortensienblüten und einem Schleier bedeckter Sarg steht zwischen bunten Blumen und Kerzen auf einem Podest. Am Sarg steht, im Bild von hinten zu sehen, ein Mädchen in einem Kleid und beugt sich über den Sarg.
Abschied am offenen Sarg

Musik hören, persönliche 

Gegenstände in den Sarg legen, 

mit ihm sprechen und gemeinsam 

weinen – all das ist möglich. 

„Danke, dass du in meinem 

Leben warst!“

Einen besonderen Menschen verabschieden

Abschiednehmen. Bei der Beisetzung ihrer Mutter trägt sie einen Luftballon mit der Beschriftung Mama.

Mila nimmt Abschied von ihrer Mutter

Mit 12 Jahren musste Mila von ihrer Mutter Abschied nehmen, die nach langer Krankheit starb. Viele Freunde kamen zur Trauerfeier. Gemeinsam mit Mila entschieden wir, den Sarg in der ersten halben Stunde offen zu lassen, damit sich jeder von ihrer Mutter verabschieden konnte. Es war eine schwierige, aber auch tröstliche Entscheidung, besonders für Mila, die tapfer viel für ihre Mutter getan hat: Sie wählte das letzte Kleid aus, arrangierte die Blumen um den Sarg und berührte ihre Mutter ein letztes Mal, bevor der Sarg geschlossen wurde.Es wird oft empfohlen, die Verstorbenen so zu behalten, wie sie im Leben waren. Ja, es erfordert viel Mut, sich von ihnen zu verabschieden, aber es kann sehr hilfreich sein, um mit der Trauer umzugehen. 

Hier beantworten wir 

Euch Fragen 

zur Abschiednahme.

Der Gedanke mag uns heute fremd erscheinen:  ein Abschied von der verstorbenen Person am offenen Sarg. Was uns heute beängstigt, war vor weniger als hundert Jahren normal. In katholischen Gegenden ist es das bis heute. Unsere Scheu vor den Toten ist ein neues Phänomen. In den letzten 150 Jahren hat das Wachstum der Städte und die moderne Medizin den Tod aus unserem Leben verdrängt. Wir sind nicht mehr gewohnt, dass Menschen zu Hause sterben. Alles geschieht im Hintergrund. Dann sitzen wir bei der Beerdigung, vor der Urne oder einem verschlossenen Sarg und sind komplett überfordert.

Unsere Erfahrung zeigt, dass diese Abstraktheit traumatisch sein kann. Ein Kontakt mit dem Verstorbenen macht das Geschehene „begreifbar“ und spielt eine entscheidende Rolle im Trauerprozess.

Häufig tritt bei dem Gedanken eine Abwehrreaktion auf. Das ist normal, denn der Tod und die Toten sind uns fremd. Wenn wir diese Schwelle überwinden, kann der liebevolle Umgang mit den Verstorbenen eine heilende Kraft entfalten. Es ist das letzte Mal, dass wir unsere Verstorbenen sehen, anfassen und ihnen ins Gesicht blicken können.

Für unsere Abschiednahmen nutzen wir den ruhigen Abschiedsraum bei Ernst Brehme in der Reinickendorfer Straße.

Wir bereiten Eure verstorbene Person liebevoll und sanft vor: Sie wird gewaschen, angekleidet, und in den Sarg gelegt. Dabei ist uns wichtig, dass alles ganz ruhig und behutsam geschieht, und so natürlich wie möglich. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir manchmal etwas schminken, aber in der Regel den Zustand so belassen, wie er ist. Wir richten Eure Verstorbenen so her, dass Ihr keine Angst davor haben müsst, sie anzusehen. Die Kleider sucht Ihr aus, das wichtigste dabei ist, dass Euer Mensch sich darin wohlgefühlt hätte.

Wir dekorieren den Abschiedsraum individuell und empfangen Euch dann zur Abschiednahme im Hof bei Ernst Brehme. Vor Ort passiert alles in Eurem eigenen Tempo, wir halten uns im Hintergrund und sind nur dann da, wenn Ihr uns braucht. So seid Ihr ungestört, könnt Musik hören, rein und raus gehen, Euch ganz in Ruhe verabschieden.

Bei allem, was oben beschrieben wurde, könnt und dürft Ihr gerne dabei sein. Ob Ihr nur zuschauen möchtet, oder auch selber mitmachen, bleibt Euch überlassen. Wir begleiten Euch bei allem, was Ihr selber machen möchtet.

Ihr könnt auch den Sarg individuell dekorieren, innen wie außen, kleine Geschenke, Bilder oder Briefe mitgeben, die letzte Zigarette, die Lieblingsschokolade, die Kuscheldecke, …

Unserer Erfahrung nach haben Kinder einen sehr viel unbefangeneren Umgang mit dem Tod und allem, was damit zu tun hat, als wir Erwachsenen. Wir haben keinerlei Bedenken, Kinder bei einer Abschiednahme dabei zu haben, und haben damit bisher nur positive Erfahrungen gemacht.

Unabhängig davon, wo die Person gestorben ist, gibt es in fast allen Fällen die Möglichkeit, sie (noch einmal nach Hause zu holen und) zu Hause zur Abschiednahme aufzubahren.

Wir werden niemals jemanden unvorbereitet in eine Situation bringen, in der er oder sie etwas Schreckliches sehen muss. Wir richten eure Verstorbenen so her, dass Ihr ihnen ohne Angst begegnen könnt. Wenn starke Veränderungen oder Verletzungen da sind, arbeiten wir mit sanfter Rekonstruktion – das versuchen wir jedoch zu vermeiden, denn wir finden, dass die Toten nicht aussehen müssen als würden sie nur schlafen. Auch bei extremen Fällen finden wir Wege, wie Ihr ohne Horrorszenario angemessen und persönlich Abschied nehmen könnt.

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Wir sind für Dich da.